Warum Altglas? Ist denn neues Glas nicht eh schon nachhaltig?

Ob Glas nachhaltig ist oder nicht, hängt von vielen Faktoren ab. Unter anderem, ob es Einweg- oder Mehrwegglas ist, dem Energieverbrauch bei der Produktion oder den Vertriebswegen.

Eins muss man aber sagen; Wer Glas herstellen möchte, braucht eine Menge Energie und Hitze. Im Schmelzofen einer Glasanlage werden alle Glaszutaten, bei dem Quarzsand den größten Anteil ausmacht, zusammen erhitzt und das Rohstoffgemenge schmilzt (weitere Details, findest du in unserem Blogeintrag "Wie aus einem alten Scherbenhaufen eine neue Vase wird").

Da Altglas eine geringere Temperatur zum schmelzen benötigt, kann hierbei Energie gespart werden. Weniger Energieaufwand bedeutet weniger Co2-Ausstoß. Als Faustregel gelten drei Prozent Energieeinsparung bei zehn Prozent Scherbeneinsatz. Bei 100 % Altglas bedeutet dies eine Einsparung von ca. 30 %. Außerdem werden bei der Altglasverwertung keine zusätzlichen Rohstoffe, wie Sand mehr benötigt.

Da der Hauptbestandteil eines Glases Quarzsand ist, möchten wir, bezüglich der Rohstoffeinsparung, insbesondere den Rohstoff Sand etwas näher beleuchten.

‘’Wie Sand am Meer’’ - diesen Satz kennen wir wahrscheinlich alle.

Die Wahrheit ist aber, Sand ist ein nicht unendlich vorhandener Rohstoff, wie der Spruch eventuell suggerieren mag.

Sand entsteht im Laufe vieler Jahre (teilweise Millionen) aus Felsen, die verwittern. Der meiste Sand besteht aus dem Mineral Quarz, der zur Glasherstellung genutzt wird. Andere Sandsorten stammen z.B. aus dem Gestein von Vulkanen. An Stränden oder Flussbetten, machen kleine Muschelstückchen oder auch Korallenreste einen Teil vom Sand aus.

Um Quarzsand also zur Glasherstellung o.Ä. nutzen zu können, muss er abgebaut werden. Einer der bedeutendsten Quarzsand-Vorräte Deutschlands lagert in Frechen, eine Mittelstadt westlich von Köln. Die Quarzwerke bauen dort täglich ungefähr 3.000 Tonnen Quarzsand ab. Um allerdings an die wertvollen Körnchen im Boden heranzukommen, muss der darüber stehende uralte Wald gerodet werden.

Natürlich wird Sand nicht nur zur Glasherstellung genutzt. Die Bauindustrie, um genauer zu werden; die Herstellung von Beton, macht hier den größten Anteil aus. Viele Länder müssen Sand sogar über weite Transportstrecken importieren, da ihre eigenen Vorräte längst nicht mehr ausreichen. Darüber hinaus erfolgt der Abbau meistens leider unkontrolliert.

Unkontrollierter Sandabbau kann zu verheerenden Umweltschäden führen. Vor allem der Abbau an Stränden und Flussbetten führt zu Überschwemmungen und der Grundwasserspiegel sinkt. Teilweise wurden die Ökosysteme mancherorts so drastisch beschädigt, dass sie unbewohnbar für Mensch und Tier geworden sind. In Indonesien z. B. verschwanden durch den Abbau von Sand auf dem Meeresgrund und direkt an Stränden bereits ganze Inseln von der Landkarte.

Innerhalb der vergangenen 20 Jahre habe sich die Nachfrage nach Sand und Kies verdreifacht. Und die Rohstoffpreise sind rasant gestiegen. Grund dafür ist beispielsweise der Boom der Baubranche. Das Volumen eines gehandelten Rohstoffs ist ausschließlich bei Wasser noch größer.

Glücklicherweise lässt sich Glas aber vollständig, beliebig oft und ohne Qualitätsverluste recyceln und wir können dem entgegenwirken.

Gut zu wissen: Recyceltes Altglas stellt sogar eine Alternative zu Sand dar. Beton aus Altglas ist genauso stark wie Beton aus Sand. Bei der Herstellung von Altglas-Beton spart man nicht nur ca. 14 % Kosten ein, sondern reduziert auch noch die Co2-Emissionen um 18 %.

Fazit: Warum altes und kein neues Glas? 

Recyceltes Glas verringert den Energieverbrauch, spart Ressourcen ein und verhindert sogar die Verknappung von Sand.